Blick in die Zukunft. Was die CDU verspricht, und was der Wähler (wahrscheinlich) bekommt.

Wer schon einmal in einem Schnellrestaurant war, kennt diese appetitlichen Produktbilder, die mit dem, was später zerdrückt auf dem Tablett liegt, meist nur entfernt verwandt sind. CDU-, FDP- und SPD-Wähler erleben dieses Gefühl regelmäßig nach Wahlen – ganz ohne vorher ein Restaurant betreten zu müssen.

Die CDU Mecklenburg-Vorpommern visulisert mit diesem Prinzip ihre Politik, und hat ihre neue Wahlkampagne vorgestellt. Zwei Monate vor der Landtagswahl liegt die Partei bei neun Prozent.Ungefähr dort, wo man entweder den Spitzenkandidaten austauscht, die eigene Politik überprüft…. oder ein Fischbrötchen fotografiert.

Die CDU entschied sich für den Hering.

„Die Mitte ist das Beste“, steht auf dem Plakat. Gemeint ist die politische Mitte. Oder der Fisch mit Grünen Salat? So ganz genau weiß man das nicht, aber Salat und Fisch sehen frisch und appetitlich aus, und könnten dem Wähler schmecken. Darum geht es im modernen Wahlkamf schließlich.

Das Brötchen ist goldbraun. Die Zwiebeln liegen in perfekten Ringen. Der Hering ist größer als das politische Angebot der Partei und vermutlich auch beliebter. Die roten Tomaten aus dem verwendeten Stockfoto wurden wegretuschiert, Rot gibts erst nach der Wal wieder im CDU Angebot. . .

Politik in lecker.

Das Prinzip kennt man von McDonald’s. Auf dem Werbefoto glänzt der Burger, der Salat steht stramm und die Soße befindet sich ausschließlich dort, wo sie laut Grafikabteilung hingehört. An der Kasse bekommt man später ein zerdrücktes Brötchen, einen traurigen Fleischlappen und etwas, das früher einmal Gurke gewesen sein könnte.

Bei Wahlwerbung läuft es ähnlich.

Vor der Wahl: knuspriges Brötchen, frischer Fisch, kräftige Mitte.

Nach der Wahl: alte Semmel, ein halber Hering und die Mitteilung, dass der restliche Belag wegen der schwierigen Haushaltslage leider nicht geliefert werden könne. Als Ausgleich gibts ein paar rote Tomaten und viel Grünzeug. .

Der Dill wurde bereits während der Koalitionsverhandlungen gestrichen.

Besonders schön ist der Satz „Die Mitte ist das Beste“. Auf dem Plakat stimmt das sogar. Außen befinden sich zwei trockene Brötchenhälften, in der Mitte liegt der interessante Inhalt.

Politisch ist die Lage etwas komplizierter. Dort besteht die CDU-Mitte derzeit offenbar aus neun Prozent, einem Fischbrötchen und der Hoffnung, dass niemand nachfragt, was zwischen den Wahlen eigendlich geliefert wurde.

Spitzenkandidat Daniel Peters warnt gleichzeitig davor, dass „die Ränder“ das Land übernehmen könnten. Ausgerechnet vor einem Plakat, auf dem zwei riesige Brötchenränder die gesamte Mitte zusammenquetschen.

Besser kann man den Zustand der Partei kaum bebildern.

Die Kampagne stammt übrigens von Agenturen aus Hamburg und Berlin. Auch das passt. Regionalität aus Mecklenburg-Vorpommern muss aus Sicht der CDU inzwischen offenbar extern entwickelt, professionell ausgeleuchtet und anschließend mit etwas Dill zurückgeliefert werden.

Das fertige Produkt trägt dann den Namen „Politik in lecker“.

Klingt besser als „Politik wie bisher“, sieht hübscher aus und lässt sich leichter fotografieren.

Wähler sollten trotzdem das Kleingedruckte beachten:

Serviervorschlag. Abbildung kann vom tatsächlichen Regierungshandeln erheblich abweichen. Politische Inhalte nicht im Lieferumfang enthalten. Nach Öffnung der Wahlurne rascher Qualitätsverlust möglich.

Reklamationen werden erst vor der nächsten Wahl kurzzeitig entgegengenommen.