
Wenn der Amtsschimmel Raubkatzen frisst
Behördenwillkür tritt nur selten mit einem Schild auf, auf dem „Behördenwillkür“ steht. Sie erscheint gewöhnlich als alternativlose Gefahrenabwehr. Mit Polizei, Pressemitteilung und einer Tierschutzorganisation, die idealerweise Lobbyarbeit, Forderung, Problem und Lösung zugleich anbietet.
Für die Öffentlichkeit gibt’s ein paar Transportboxen, die plakative Verkündung einer „Rettung“ und den passenden Spendenaufruf. Problem, Lösung und Spendenbutton aus einer Hand.
Dabei werden sechs Tiger nicht vor einem zusammenbrechenden Käfig gerettet. Sie werden zur Herstellung des amtlich errechneten Sollbestands entfernt.
Acht Tiger sind ein Tierschutzproblem.
Zwei Tiger sind ein genehmigungsfähiger Restbestand.
Sechs Tiger sind Spanien.
Das ist moderne Gefahrenabwehr. Man muss nur richtig sortieren.
So geschehen in Dölzig bei Leipzig, wo Carmen Zander mit ihren Tigern gestrandet ist.
Einst ausgezeichnet für ihre Arbeit mit Tigern, wird dieselbe Biografie heute zum Belastungsmaterial. Der Zeitgeist hat sich gewandelt, Tigerdressuren sind out. Sagt auch der Fernseher. Und der muss es ja wissen.
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